Tec-Innovation GmbH

Geschäftsführender Gesellschafter mit wesentlicher Beteiligung

Zuständig für Prototypenentwicklung, Produktion, Qualitätsmanagement, Marketing und IP-Recht

Gründung

Nach Abschluss der HTL-Mistelbach, wo ich gemeinsam mit Daniel Gepp den „Walkassist“ entwickelt habe, wurde der Präsenzdienst bei der Garde Musik Wien abgeschlossen und das Bachelorstudium „Bio Medical Engineering“ begonnen. Durch Gründung der Tec-Innovation GmbH 2014 und den damit verbundenen administrativen Bestimmungen von Förderstellen, musste das Studium im 2. Semester bis dato pausiert werden. Lt. Landesförderstelle ist ein Vollzeitstudium während einer Unternehmensgründung lt. regulatorischen Vorgaben nicht zulässig – der Studienabbruch war damit eine der Voraussetzungen für die Selbständigkeit.

Mag.iur Markus Raffer, selbst blind seit Geburt mit geringer Sehkraft von nur 3%, wurde ab 2015 mein neuer Geschäftspartner und war von da an zuständig für Business Development, Finanzen und rechtliche Belange. Als Mensch mit Sehbehinderung war Raffer von Beginn an die erste Testperson unserer Produkte und konnte durch sein juristisches Fachwissen einen großen Mehrwert für Themen wie Kostenerstattung, Verträge, Förderungen, uvm. liefern.

Produkte

Die Tec-Innovation GmbH beschäftigte sich anfangs mit der Entwicklung von Schuhen mit Sensoren zur Hinderniserkennung für Menschen mit Sehbehinderung. Bereits zu Beginn wurden Meinungen, Testberichte und Verbesserungsvorschläge von blinden bzw. seheingeschränkten Menschen in die Entwicklung integriert und bestmöglich umgesetzt. Angefangen vom Vibrationsmuster bei Detektion von Hindernissen, zu den akustischen Signalen, bis hin zur Bedienung der App am Smartphone und deren barrierefreier Bedienung. Das System erkennt Hindernisse von 0,2M bis 4M, gibt Vibrationen oder akustisches Feedback und ist akku-betrieben. Alle Einstellungen können direkt am Gerät oder in der App getätigt werden.

Als Add-On zu den Schuhen wurde in nur wenigen Monaten der InnoMake-Clip designed und rasant auf den Markt gebracht. Ein Kleingerät zum Anklippen an den Kragen, Jacke, Rucksack, etc. welches Hindernisse in Bauch- und/oder Kopfhöhe erkennt. Die Rahmenbedingungen (Reichweite, etc.), sind die gleichen wie bei den Schuhen. Damit schaffte man auch Abhilfe zu der eher mühsamen Schuh-Thematik gegenüber der Kunden (richtige Passform, Modell, Material, usw.). 2022 meldete auch die TU Wien Interesse an diesem medizinischen Hilfsmittel um deren Roboterhund von Boston Dynamics auszustatten, damit dieser Glas im Stiegenhaus erkennt. Die Softwareentwickler der Tec-Innovation haben binnen 2 Wochen eine Schnittstelle zum ROS-System geschaffen, damit das Hilfsmittel mit dem Betriebssystem des Roboterhundes kommunizieren kann – der Hund bewegt sich nun unfallfrei durch die Räume der TU Wien!

Parallel entwickelte die Tec-Innovation GmbH gemeinsam mit der TU Graz (unter Leitung von Hrn. Dr. Fraundorfer) ein kamera- und KI-basiertes System zur Detektion eines hindernisfreien Bereichs. Diese Entwicklung wurde stetig verbessert und optimiert; jedoch war dieses System zu groß und ineffizient für den mobilen Einsatz. Es forderte einen Rucksack mit großem und schweren Akku, einen Lüfter und hohe Prozessorleistung.

Einige Jahre nach Entwicklung des kamerabasierten Systems wurde entschieden, ein Smartphone (damals das erste Smartphone mit einem integrierten Lidar-Sensor: iPhone 12Pro) zu selektieren und damit auf die wesentlichsten Themen zu verzichten: Produktdesign, Gehäuseentwicklung, Kühlung der Elektronik, kabellose Schnittstellen, uvm. Es entstand somit ein reines Software-Produkt, welches in einem Alltagsgegenstand „verbaut“ ist. Das Smartphone konnte via Lidar-Sensor Tiefeninformationen sammeln und damit ein 3-dimensionales Bild aufnehmen – mit einer maximalen Distanz von 5 Metern.

Eine Kombination von AR und AI konnte dem User damit ein Verständnis der Umgebung vermitteln, diesen navigieren, vor Hindernissen warnen – stufenauf- und abwärts!
Das erste Hilfsmittel weltweit mit solch einer Funktion.

Lieferantenmanagement

Lieferanten wurden mit größter Sorgfalt selektiert. Sie wurden im Bereich Herstellungsprozess, Bonität und im sozialen Umgang geprüft. Hersteller im Ausland wurden besucht, persönlich kennengelernt und deren Produktionsstätte besichtigt. Aus dem EU-Ausland wurden Akkus und Gehäuseteile (China) und Sensoren (Taiwan) erworben. Testproduktionen wurden in Kenia angestrebt und Hersteller von Schuhen, Gehäuse sowie Assembling-Spezialisten aufgesucht. Die WKO-Außenstellen sind bei diesen Belangen sehr professionell und unterstützen bei der Selektion.

Bei den Lieferanten wurde stets darauf geachtet, dass sie fähig sind Kleinserien oder Prototypen zu fertigen, bevor eine Serie bestellt wird. Konzeptionierungen auf Augenhöhe waren äußerst relevant. Themen wie NDAs, Lieferbedingungen und astreine Dokumentation waren bei uns als Medizinproduktehersteller von hoher Bedeutung.

Finanzierungen

Nach Gründung der GmbH wurde ein erstes Investment abgeschlossen mit Stefan Artner & Karin Kreutzer, Fa. Nessler Medizin-Elektronik, Franz Exenberger, Haselsteiner Privatstiftung und Andrea Wastian. Dieses Investment ermöglichte als Eigenmittel die erste Forschungsförderung bei der FFG im Jahr 2016. Auch kleinere Forschungsförderungen der WKO (Technologie Innovations Partner) wurden gewährt. Damit wurden Arbeitsplätze geschaffen, Messeauftritte finanziert und Prototypen weiterentwickelt. Eine Zusammenarbeit im Rahmen der Entwicklung einer kamerabasierten Alternative zu den Schuhen mit Ultraschallsensoren, mit der TU Graz (Abteilung für maschinelles Sehen und Darstellen) entstand Mitte 2016.

Hans Peter Haselsteiner und CEO Kevin Pajestka mit InnoMake Schuh

Dr. Hans Peter Haselsteiner 2016 mit Founder & CEO Kevin Pajestka in Wien 22. – Zentrale der STRABAG AG

Wenige Jahre später kam als zusätzliche Gesellschafterin Alyazia Al Kuwiti ins Boot der Tec-Innovation. Sie wurde durch nahe Bekanntschaften aus Österreich und Medienbeiträgen auf die bahnbrechenden Entwicklungen des Startups aufmerksam.

Mit Zuwachs der SINNOVA (Beteiligung Fair Finance Mitarbeitervorsorgekasse) sowie dem Privatinvestor Matthias Kromayer (Managing Partner MIG AG) wurden weitere Förderungen abgeschlossen wie bspw. SeedFinancing der AWS.

Dank mehrerer Nachrangdarlehen konnten diverse Förderungen eingereicht und damit bestimmte Forschungen abgeschlossen werden. Eine Strategieänderung sollte mit diesen Mitteln nachhaltig finanziert werden. Diese Strategieänderung sollte dazu beitragen, sich in Zukunft mehr auf den Markt der Industrie zu konzentrieren, anstatt Hilfsmittel für Menschen mit Behinderung. Da die Kostenerstattungen der Krankenkassen, Gemeinden bzw. Versicherung nur träge funktionierte, mussten Ziele geändert werden.

Weiteres fehlendes Kapital für industrielle Umsetzungen sollte zuletzt durch ein größeres Investment kompensiert werden. Leider platzte der Deal aufgrund von unterschiedlichen Gründen seitens eines Investors, die Insolvenz resultierte.

Patente

2013 wurde bereits nach der HTL das erste Patent angemeldet: ein System zur Erkennung von Hindernissen mit unterschiedlichen Sensoren. Der Titel lautet: Vorrichtung zur Detektion von Hindernissen mit der Kennzeichnung AT513881.

Ab 2016 wurde in Zusammenarbeit mit der TU Graz ein weiteres PCT Patent angemeldet mit dem Titel „Verfahren und Vorrichtung zur Detektion eines hindernisfreien Bereichs, mit der Kennzeichnung AT520579“.

Beide Patente wurden erteilt und für Europa und USA registriert.

Des Weiteren wurde eine Wortmarke „InnoMake“ in den USA und in Europa zum Markenschutz für Hilfsmittel zum Zweck für Menschen mit Behinderung angemeldet und registriert.

Produktentwicklung

Im Zuge der Produktentwicklung und engen Zusammenarbeit mit Waldviertler Schuhe (GEA) wurde Ende 2017 erkannt, dass die Elektronik in der Schuhsohle – trotz Gehäuseschutz uvm. – nicht ausreichend geschützt ist. Mit dieser Erkenntnis arbeitete die Tec-Innovation daran, die Elektronik in einer Art „L“-förmigen Aufsatz zu verbauen und an der Schuhfront eine Metallschiene zu integrieren. Dieses System wurde gemeinsam mit zahlreichen Orthopädie-Schuhmachern, Waldviertler und externen Experten erprobt. Ganganalysen im Spital Speising haben gezeigt, dass die integrierte Schiene keinen Einfluss auf das Gangverhalten hat.

Für die Produktion von zahlreichen Komponenten, wurden Hersteller in Shzenzen (China), HongKong, Taiwan und Nairobi (Kenia) besucht und auf Qualität geprüft. Hersteller von Gehäusen, Schuhen, Sensoren und Assembling-Spezialisten wurden selektiert und sorgsam gemeinsam mit den WKO-Außenstellen geprüft. Dies galt als Vorbereitung für größere Produktionen. Kleine Stückzahlen wurden in Wien und Umgebung gefertigt und vor Auslieferung getestet.

Medizinprodukt Klasse 1

Ob die InnoMake-Systeme Medizinprodukte sind oder nicht, konnten Experten nicht zu 100% feststellen, da es einerseits ein Lifestyle-Produkt sein kann und weiters eine Behinderung nicht lindert – wie im Gesetzestext beschrieben. Da das Risiko jedoch zu hoch wäre, der Prozess des Kostenersatzes für Kund:innen einfacher sein sollte, entschied man sich dazu, die Systeme als Medizinprodukt der Klasse 1 zu zertifizieren. Dazu wurde eine Mitarbeiterin angestellt, deren Aufgabe – gemeinsam mit der Geschäftsführung – es war eine Risikoanalyse und sämtliche benötigte Files zu erstellen, die regulatorischen Voraussetzungen aufzubereiten und alle gesetzlichen Maßnahmen umzusetzen. Die Vorbereitungen für dieses Ziel liefen über 12 Monate. Ebenso die europäischen notwendigen CE Tests wurden von einem akkreditierten Prüflabor in Deutschland durchgeführt.

Vertrieb

Kernthema beim Vertrieb war der Kostenersatz für Kund:innen. Dazu regte man Diskussionen in der Politik an, saß mit Entscheidungsträgern von Krankenkassen am Tisch und wurde sogar namentlich im Österreichischen Parlament erwähnt. Leider ist die Gesetzeslage in Österreich, speziell das „Chancengleichheitsgesetz“ inhaltlich veraltet und fördert keine „modernen“ Hilfsmittel. Damit verbunden sind Schwierigkeiten in der Kostenerstattung über das Fond Soziale Wien und die ÖGK. Vereinzelte Kassen/Versicherungen wie bspw. PVA, SVS oder private Versicherer haben Teilbeträge oder die Hilfsmittel zur Gänze finanziert. Leider hat nur ein kleiner Teil der Menschen mit Sehbehinderung eine Zusatzversicherung oder ist bei Arbeitgebern in der Automobilbranche mit eigener Gesundheitsvorsorge beschäftigt.

Die Tec-Innovation GmbH war auf einigen nationalen und internationalen Messen präsent, wurde in Medien in Kuba, Spanien, Groß Britannien, USA, Deutschland uvm. erwähnt und bekam im Laufe der Zeit über 15 Preise/Awards aus diversen Ländern weltweit. All diese Umstände unterstützen den Vertrieb. Doch neben der Kostenerstattung gab es auch Herausforderungen wie bspw. unterschiedliche Regularien in allen europäischen Ländern um Medizinprodukte auf deren Markt zu bringen. Auch alleine in Österreich, hat jedes Bundesland unterschiedliche Voraussetzungen für Kostenerstattungen. Das Thema Vertrieb war damit eines der komplexesten Punkte, die überhaupt behandelt wurden.

Strategieänderung

Die Vertriebsschwierigkeiten, mit denen Tec-Innovation konfrontiert wurde, waren der Grund das ganze Businessmodell und die Strategie auf den Kopf zu stellen. Der erfahrene Investor, Unternehmensberater und Management-Spezialist Matthias Kromayer hat gemeinsam mit Geschäftsführer der SINNOVA, Werner Krendl – beide waren Gesellschafter der Tec-Innovation GmbH – beide CEOs der Tec-Innovation durch diese komplexe Aufgabe begleitet. Man erörtete weitere Anwendungsgebiete der InnoMake-Systeme, änderte die Konzepte der KI-basierten Hinderniserkennung auf Industriegeräte und schaffte es innerhalb von 5 Monaten aus einem Medizinprodukt ein industrielles Add-On-Gerät zu schaffen.

Österreichische Unternehmen wie bspw. STILL Gabelstapler, Rubblemaster oder Wilhelm-Schwarzmüller bekundeten Interesse an einer autonomen Verladung, Warentransport oder Kollisionswarnung auf deren (Bau-) Maschinen. Man versuchte durch bereits ausgeführte MVPs die ersten Aufträge aus der Industrie zu bewerkstelligen – leider reichten die bestehenden finanziellen Mitteln für diesen Schritt nicht mehr aus. Eine geplante Finanzierungsrunde mit selektierten Gesellschaftern ist durch Austritt geplatzt. Alle Mitarbeiter:innen sind bis zum bitteren Ende sehr aktiv gewesen und beteiligten sich an der Strategieänderung mit voller Kraft und Ausdauer – DANKE DAFÜR!

Insolvenz durch Mangel finanzieller Mitteln

Sommer 2023.

Die Patente der Tec-Innovation GmbH werden verwertet; diese werden zum derzeitigen Stand der Automobil- und Sicherheitsindustrie angeboten (Okt. 2024). Man ist bereits mit internationalen Konzernen im Gespräch.

FeelSpace aus Deutschland übernahm aus der Insolvenzmasse die Produktions- und Vertriebsrechte an InnoMake Clip. Neben ihren Produkten wie bspw. dem NaviGürtel, bieten sie nun ebenso Hinderniserkennung auf hohem Niveau an!

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